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Rathenow, Kirchberg

 

Denkmalbereich Kirchberg

Es sind 8 Fotos mit Gebäuden vom Kirchpllatz in Rathenow abgebildet.
1.Kirchturm v. Nord
2.Südansicht
3.Kirchplatz, Nordseite
4.Kirchpl. 6 (li.) u. Nr. 5 (re.)
5.Kirchpl. 12: Duncker-Geb.-Haus
6.Kirchpl. 12: Gedenk-Tafel
7.Kirchpl. 16: ehem. Latein-Schule

 

Schon von weitem kann man den Standort der Sankt-Marien-Andreas-Kirche an ihrem alle städtischen Bauwerke überragen-den Turm ausmachen. Sie befindet sich inmitten der Altstadt  als Ausgangspunkt der Besiedlung von Rathenow. 

 

Der Denkmalbereich Kirchberg besteht mit den ihn beschreibenden Straßen Mühlenstraße, Freier  Hof, Wassserpforte, Marien- Kleine und Große Kirchstraße  sowie Kirchgang. Die verschiedenen Gebäude spiegeln  Architektur und Bauge-schichte aus 5 Jahrhunderten wider und bilden in dieser konzentrierten Form ein in der Stadt Rathenow einmaliges Ensemble von schützenswerten Bauwerken.

 

Außerdem gehört der Kirchplatz zu einem Bodendenkmal mit der Bezeichnung: Mittelalterlicher/ frühneuzeitlicher Stadtkern. Es befindet sich innerhalb der  Grenzen Kirchplatz, Berliner Straße , Schleusenkanal und  Vor dem Mühlentor. Hier erfolgten bereits im 12. Jh. erste Ansiedlungen vor der  eigentlichen Stadtgründung im 13. Jh.

 

1.  Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche

 

Anmerkungen zur Baugeschichte bis 1945

 

Der Kirchenbau ist eine dreischiffige Hallenkirche mit Hallenumgangstor und quadratischem eingezogenem Westturm.

An der Kirche sind mehrere stilistisch-architektonischen Veränderungen ablesbar:

So sind  von dem  einstigen romanischen Bauwerk, einer kreuzförmigen Basilika mit Querhaus und rechteckigem Westturm aus  der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts die östliche Querhauswand mit zwei Apsiden sowie die südliche und nördliche Querschiffwand erhalten.

Zwischen 1350 und 1380 wurde der romanische Chor durch den Hallenumgangschor und als  flankierende Kapellen die Marienkappelle im Norden und Andreaskapelle im Süden ersetzt.

 

Ab 1517 erfolgte der Umbau zu einer gotischen Hallenkirche, und  bis 1560 wurde  in einer wiederholt unterbrochenen Bauzeit anstelle des  Basilika-Langhauses und des Querhauses eine gewölbte Halle errichtet und an der Nordseite ein von 2 Kreisblenden flankiertes Spitzbogenportal eingefügt.

Nach der Reparatur und Erhöhung  des mittelalterlichen Turmes im Jahr 1727 mußte er 1818/19 abgetragen werden. Zwischen 1822 und 1828 errichtete man einen Turm in neugotischem Stil mit einem quadratischen Turmschaft sowie oktogonalem Aufsatz  und schiefergedecktem Helm. In diesem Zustand blieb die Kirche mit Überformungen des Inneraumes bis zu ihrer Zerstörung am Ende des 2. Weltkrieges im Jahr 1945 erhalten.

Durch Beschuss im Rahmen der Kampfhandlungen im April  1945  verbrannten zum überwiegenden Teil die Dachstühle sowie die Inneneinrichtung, und die Gewölbe stürzten ein. 

 

 

Sicherung und Instandsetzung

 

Zwischen 1945 und 1959  erhielt das Kirchenschiff einen neuen Dachstuhl. Die zwei eingestürzten Gewölbe der Seitenschiffe wurden ergänzt.  Das Mittelschiff erhielt eine flache Decke. Der Triumphbogen wurde mit einer Mauer als Abschluss gegen die Chorruine versehen.

Bis 1952  konnte zunächst der Turmschaft mit seinem achteckigen Aufsatz ohne Turmhelm gesichert werden.  Dann verschlechterte sich der Bauzustand des Oktogons so stark, dass es im Jahr 1972  bis zum oberen Ende  des quadratischen Schaftes  abgerissen werden musste.

Der Chor existierte weiterhin als ungesicherte Ruine und an Dachstuhl, Eindeckung und im Inneraum  nahm der Sanierungsbedarf soweit zu, dass sich die Kirchengemeinde  an die Denkmalbehörden wandte.

Die Beratungen und Restaurierungsarbeiten  fanden mit dem Ziel statt, das äußere Erscheinungsbild der Kirche weitestgehend entsprechend ihrem  Zustand  vor der Zerstörung im Jahr 1945  wiederherzustellen. Die Arbeiten wurden in drei Abschnitten  geplant und ausgeführt: am Chorraum in der Marienkapelle, an den Mittelgewölben des Langhauses und der Wiederaufbau des Turmes.

So konnten im Chorraum nach Durchführung  der Außenarbeiten  die ersten farbigen Glasfenster  im Jahr 1997 eingesetzt werden.

 

Auf dem 36m hohen Turmschaft wurde im Juni des Jahres 2000 die Basis für das  darauf zu errichtendende 16m hohe Oktogon aus Beton gegossen.  Dazu wurden fast 100 t Beton benötigt, die nach oben gepumpt werden mussten.

Im  August/September 2001 beobachteten zahlreiche Bürger, wie an mehreren Tagen mit Hilfe eines Hubschraubers  trotz ungünstiger Witterung die dreiteilig vorgefertigte Kirchtumspitze aufgesetzt wurde.

 

 

2.  Zu ausgewählten Häusern des Kirchberges

 

Auf dem Kirchberg mit seinem bis ins laufende Jahr 2006 erneuerten  Kirchplatz befinden sich neben der St.-Marien-Andreas Kirche auch solche anderen  in den vergangenen Jahren sanierten Einzeldenkmale, wie die Gebäude Kirchplatz 5, Kirchplatz 6 und Kirchplatz 12

 

 

Kirchplatz 5

Gegenüber der St.-Marien-Andreas-Kirche befindet sich das  zweigeschossige Fachwerhaus Kirchplatz 5.  Vermutlich stammt dieses Haus aus dem Ende des 16. oder der 1. Hälfte des  17. Jhds. Es  überstand auch den 30jährigen Krieg und gehört zu den ältesten der Stadt.

 

 Kirchplatz 6

Dieses Haus ist ist ein zweigeschossiger, traufständiger Fachwerkbau mit Lehmausfachungen und Satteldach.

Aufgrund konstruktiver Merkmale  wird davon ausgegangen, dass das Haus aus dem 16. Jhd. stammen muß.

So bilden bei diesem Wandständer-Bau vom Boden bis zur Traufe durchgehende Ständer die tragende Konstruktion. Dieser Haustyp ist einmalig in der Stadt Rathenow  und nur noch  sehr selten im Havelland zu finden.

 

Kirchplatz 12

An diesem Haus auf der Westseite des  Kirchplatzes erinnert eine Tafel an den Begründer der optischen Indurtrie in Rathenow, Johann Heinrich August Duncker. Hier  wurde er geboren und richtete im Jahre 1800 seine erste Werkstatt ein.

 

Kirchplatz 16

Neben den Einzeldenkmalen sind andere Gebäude des Kirchberges durch ihre Lage im Denkmalbereich, wie z.B. das Gebäude  Kirchplatz 16, geschützt. Die ehemalige Lateinschule wurde nach denkmalgerechter Sanierung im September 2005 feierlich eingeweiht.

 

Gestaltung des  Kirchberges

Die Bauarbeiten  zur Erneuerung der straßengebundenen Erschließung  des gesamten Kirchberges und seiner angeschlossenen öffentlichen Verkehrsflächen wurden weitestgehend nach historischem Vorbild durchgeführt. Für die historischen  Flächenbefestigungen wurde  teilweise  vorhandenes Material verwendet.

Der Südhang des Kirchberges wurde  unter Berücksichtigung der historischen Anlage, insbesondere der Treppen und Stützmauern neugestaltet.