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Landfrauenleben

von Stephanie Rohmann

Ich ziehe nach Schönholz! Schönholz-Neuwerder!

Eine Aussage, eine Schwester, viele Fragezeichen.

Als große Schwester hat man die Aufgabe, kleine Schwestern zu beschützen und eigene Gefühle hintenanzustellen. Sei es noch so schwer.

„Das ist ja toll!“ rief es aus mir raus.

Ich, die weder wusste, wo Schönholz-Neuwerder liegt, noch, jemals von diesem Ort gehört zu haben.

Neuwerder-meine geographischen Kenntnisse liefen auf Hochtouren.

Werder-Baumblütenfest-Ketchup. Ich sehe meinen Geographielehrer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Meiner Schwester reicht ein Blick um zu wissen, dass bei mir völlige Ahnungslosigkeit herrscht.

„Stephanie?“.

Ich, den Tränen nahe, sage ihr, dass ich mich sehr für sie freue und ihr alles Glück der Welt wünsche. Aber einfach traurig bin, dass sie nun bald so weit weg sein wird.

Ratloses Blicken in meine Richtung.

Wieso weit weg? In 20 Minuten bist du bei mir.

Heimlich versuche ich, zu Googlen. Zu spät. Kleinen Schwestern kann man nichts vormachen.

Viel schneller hat sie ihr Handy gezückt (acht Jahre Altersunterschied scheinen beim Eintippen wirklich relevant zu sein)!

Nun bin ich zwar beruhigt aber auch etwas überfordert. Knapp 180 Einwohner zählt dieses kleine versteckte Dörfchen im Havelland.

Wem soll sie denn hier gute Nacht sagen-außer dem Fuchs und dem Hasen?

Sie wäre aber nicht meine kleine Schwester, hätte sie nicht schon jetzt eine Vision, die ihre Leidenschaften dort perfekt in Einklang bringen könnten.

Viel Platz für Kräuter, eigenes Gemüse und Obst. Und einem Ort, um ihre schönsten Bilder zu malen.

Als ich das erste Mal das zukünftige zu Hause meiner Schwester kennenlerne und die Route 66 des Havellandes (gefühlt fahre ich 2 Stunden, bin aber tatsächlich in 20 Minuten da) bewältigt habe und sie so voller Liebe und Hingabe ihre Ideen und Vorhaben schildert, kann ich verstehen, dass sie sich in diesen Ort so sehr verliebt hat.

Ein wirklich großes Gewächshaus soll es werden. Ein kleines Rinnsal das Grundstück durchqueren (meine Idee, hier Entenangeln anzubieten ist noch nicht vom Tisch), Tiere sollen sich hier zu Hause fühlen.

Der weite Blick auf Wälder und Felder lädt wirklich dazu ein, mit Staffelei und Aquarellfarben wahre Meisterwerke zu schaffen.

Und auch das in die Jahre gekommene Haus wird durch ihre Erzählungen zum Märchenschloss. Ich bin froh, dass sie das Garnspinnen noch nicht für sich entdeckt hat.

Heute, 2 Jahre später, steht in ihrem Garten ein Gewächshaus. Hier wachsen die prächtigsten Tomaten, die man sich vorstellen kann. Schönholz-Neuwerder sollte über ihre eigene Ketchup Produktion nachdenken!

Es wachsen Kräuter, deren Namen ich kaum aussprechen kann. Wussten sie, dass Anethum graveolens hervorragend bei hartnäckigem Schluckauf hilft?

Und Tiere. Die Tiere aus Schönholz-Neuwerder haben auf meine Schwester gewartet. Da bin ich mir absolut sicher!

Überhaupt denke ich, dass sich vor allem die Katzen dort einig sind, dass sie bei ihr ein Heim für Schwererziehbare/vom Katzenleben geprägte/nur noch 1 Katzenleben habende Gemeinschaft zusammengefunden haben.

Ke(ä)tzerische Zungen behaupten, dass dieser eine Kater namens Potter entweder 5 Jahre alt ist oder 500.

Dass meine Schwester dieses kleine Fleckchen Erde in unserem wunderschönen Havelland für sich entdeckt hat und sich somit ein Traum erfüllen konnte, macht mich als große Schwester sehr stolz.

Der Fairness halber möchte ich erwähnen, dass mein Schwager einen großen Anteil an diesem Traum hat. Da ich meine Geschichte aber Landfrauenleben und nicht Landmännerleben genannt habe, möge er es mir verzeihen!