Kitas sind Orte frühkindlicher Bildung. Bildung, die aber anders funktioniert als im Schulsystem. Statt systematisch, in Fächern und festen Zeiteinheiten, lernen Kinder beim Beobachten, Spielen, Tischdecken, Essen, Anziehen, Ausprobieren, Bewegen. Sie stellen Fragen und erkunden ihre Welt, die mit jedem Tag ein Stückchen größer wird.
Kompetente Fachleute aus Wissenschaft und Kindertagesbetreuung haben für die Kindertagesbetreuung im Land Brandenburg einen Bildungsplan entwickelt, der im Juli 2024 als amtliche Empfehlung herausgegeben wurde. „Das bedeutet, dass die Träger, Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonen diesen Bildungsplan mit seinen Bildungsbereichen, Handlungsimpulsen und Ideen umsetzen müssen, dabei aber ihr eigenes Tempo, eigene Konzepte und Kompetenzen einbringen können“, erklärt Claudia Wolfram, Leiterin des Referates für Kinder- und Jugendförderung des Landkreises Havelland.
Vieles im Bildungsplan sei dabei nicht neu. Die Perspektive des pädagogischen Handelns habe sich aber geschärft. „Das Kind steht im Mittelpunkt allen Handelns. Seine Bedürfnisse, Interessen und sein Entwicklungsstand sind der Ausgangspunkt für die frühkindliche Bildung. Pädagogische Fachkräfte sind als Beschützende, Helfende und Vorbilder gefragt. Die Erwachsenen sollen nicht Vorgaben machen und Fragen vorschnell beantworten“, ergänzt die Referatsleiterin. Vielmehr sollen die Erwachsenen die Kinder dabei unterstützen, Antworten herauszufinden, durch Erfahrungen und Erlebnisse zu lernen. Erwachsene müssen auch Grenzen setzen, wenn Kinder diese noch nicht erkennen können. Aber diese Grenzen können ebenfalls auf Augenhöhe mit dem Kind vereinbart und erklärt werden. Das ist in der Kindertagesbetreuung nicht anders als in der Familie.
„Eigentlich braucht jedes Kind drei Dinge: Es braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann, es braucht Vorbilder, an denen es sich orientieren kann, und es braucht Gemeinschaften, in denen es sich aufgehoben fühlt“, zitiert Wolfgang Gall, Sozialdezernent des Landkreises Havelland, zu diesem Thema den deutschen Hirnforscher und Wissenschaftler Prof. Gerald Hüther: „Wenn Bildung und Erziehung gut gelingen, bleiben Kinder offen, kreativ, hilfsbereit und wissbegierig. Sie werden selbstbewusst und aktiv ihr Leben in der Gemeinschaft gestalten.“
Im Bildungsplan des Landes Brandenburg werden nunmehr zehn Bildungsbereiche (bislang waren es sechs) aufgezeigt, in denen Kinder Kompetenzen erwerben können: Sprache und Kommunikation; Mathematik; Körper und Gesundheit; Bewegung und Sport; Natur und Technik; Ästhetik und Musik; Kinderrechte, Menschenrechte und Demokratie; Philosophie, Ethik und Religion; Nachhaltige Entwicklung sowie Digitale Medien.
Außenstehende könnten in Frage stellen, warum sich Kinder z.B. mit Philosophie, Ethik und Religion beschäftigen sollen. Aber für Kinder gibt es in diesem Alter noch keine Tabus. Sie wollen Zusammenhänge verstehen und Begründungen erfahren. Warum ist die Oma von Tom gestorben? Warum gehen Menschen in die Kirche und andere nicht? Warum laufen wir nicht nackt durch die Straßen? Warum geht es mir schlecht, wenn mein Haustier krank ist? Warum fühlen wir uns glücklich, wenn wir Freunde haben?
Der Bildungsplan gibt den Fachkräften wichtige praktische Anregungen für pädagogische Alltagssituationen. Was kann ich erkennen, wenn ich ein Kind beobachte? Wie kann ich feinfühlig auf seine Interessen eingehen und es in seiner Entwicklung stärken? Welche Bildungsimpulse kann ich geben? Wie kann ich die Eltern als wichtigste Partner in diesem Prozess einbeziehen? Wie können wir im Team Qualität weiterentwickeln?
Tatsächlich sei der Bildungsplan nicht sofort mit Offenheit begrüßt worden, berichtet Claudia Wolfram. Es habe durchaus Vorbehalte gegen dieses umfangreiche Papier gegeben. Inzwischen sei die Skepsis aber von Neugier und schließlich von Offenheit abgelöst worden, nicht zuletzt durch viele begleitende Angebote des Landes Brandenburg und des Landkreises. Die pädagogischen Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen stellen sich den Herausforderungen dieses Prozesses.
Das Team der Kita-Praxisberatung im Landkreis Havelland unterstützt die Akteure der Kindertagesbetreuung mit seiner Expertise. Die Leistungen für Träger, Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen umfassen Einzel- und Konfliktberatung, Prozessbegleitung, Hospitationen, Reflexionstreffen, Empfehlung von Materialien und Fortbildungen, Organisation von Fachaustauschen und Fachtagen.
Ab Oktober 2025 kommt eine weitere Praxisberaterstelle im Referat Kinder- und Jugendförderung hinzu. Größere Herausforderungen sieht die Kita-Praxisberatung bei der Betreuung von Kindern mit besonderen Förderbedarfen. Der Weg zu einer inklusiven Kindertagesbetreuung steht vielerorts noch am Anfang.
Den Bildungsplan, weitergehende Informationen und Videos findet man im Internet: