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Landkreis schult Bergetrupps für Afrikanische Schweinepest

25 Verwaltungsmitarbeiter aus vier havelländischen Kommunen wurden bereits ausgebildet.

In den vergangenen Wochen wurden durch den havelländischen Krisenstab Afrikanische Schweinepest (ASP) und die Amtstierärztin Dörte Wernecke erste ASP-Bergetrupps auf dem Gelände des Feuerwehrtechnischen Zentrums Friesack ausgebildet. Dazu hatten kreisangehörige Städte, Ämter und Gemeinden Mitarbeiter für die Bergetrupps gemeldet. Insgesamt wurden aus Falkensee, Nennhausen, Schönwalde-Glien und Wustermark bislang 25 Personen ausgebildet. Weitere Termine sollen folgen.

Die Aufgabe der Bergetrupps besteht darin, nach der Einrichtung von Kerngebieten die dort von Suchtrupps oder Jägern gefundenen Kadaver des Schwarzwildes zu bergen, Proben zu entnehmen und anschließend zu einer Kadaversammelstelle zu verbringen. Außerdem muss die Fundstelle nach der Bergung des Kadavers umgegraben und großflächig desinfiziert werden, um eine Verschleppung des Virus zu verhindern. Das Verbleiben der Tierkörper in der Natur ist keine Option, da sich das Virus unter Umständen über Monate oder sogar mehr als ein Jahr im Tierkörper sowie im Boden hält und ansteckungsfähig bleibt.

„Die Bergetrupps werden von uns nicht nur theoretisch geschult, sondern auch praktisch am Schwarzwild im Wald. Dazu haben uns ortsansässige Jäger durch Verkehrsunfälle verendete Wildscheine zur Verfügung gestellt, an denen der Ablauf gezeigt und geübt werden konnte“, erklärt Dennis Granzow, Leiter des ASP-Krisenstabes im Landkreis Havelland, den Ablauf der Ausbildung. „Es wäre schön“, so Granzow weiter, „wenn wir aus allen Kommunen Mitarbeiter ausbilden könnten, die dann im Fall eines Fundes im eigenen Gebiet mit Ortskenntnis unterstützen können.“

Amtstierärztin Dörte Wernecke erklärte den Bergetrupps das richtige An- und Ablegen der Schutzkleidung, die Probenentnahme und vor allem die anschließende Desinfektion. „Die größte Gefahr stellt die Verbreitung des Virus durch Blut oder Überreste von bereits verendeten Tieren dar. Daher müssen die Bergetrupps sehr akribisch darauf achten, mit Vollschutzkleidung zu arbeiten, den Kadaver auslaufsicher in Leichensäcke zu verpacken und beim Anlegen der Schutzkleidung deren Außenseite nicht zu berühren. Auch die Sohlen ihrer Stiefel müssen beim Verlassen der Fundstelle desinfiziert werden“, so die Amtstierärztin.

Der Landkreis stellt für die Bergetrupps die gesamte Ausrüstung bereit – von Schutzkleidung und Desinfektion bis hin zu Werkzeug und Kadaversack. Die Sets sind bereits fertig auf Anhängern vorgepackt und dadurch sofort einsatzbereit. Als Anreiz für die Bergetrupps gewährt der Landkreis Havelland zudem pro geborgenem Schwarzwild eine Prämie von 50 Euro pro Person. Die Teams bestehen in der Regel aus zwei Personen, die Prämie ist daher auf 100 Euro pro geborgenem Kadaver begrenzt. „Das Land Brandenburg zahlt für die Suchtrupps eine Prämie von 150 Euro pro gefundenem Kadaver, der allerdings nur markiert wird. Die Bergetrupps, die die aufwendigere und teilweise auch unangenehmere Arbeit der Bergung erledigen, würden leer ausgehen. Daher haben wir uns dafür eingesetzt, dass es vom Landkreis selbst eine Prämie für die Bergetrupps gibt“, sagt Landrat Roger Lewandowski.

„Sollte sich bei einem aufgefundenen Schwarzwild im Landkreis ein ASP-Fall bestätigen, können die Bergetrupps sofort eingesetzt werden. Das verschafft uns im Ernstfall einen zeitlichen Vorteil. Wir stehen natürlich auch in engem Kontakt mit Landkreisen in Brandenburg, die bereits betroffen sind und damit Erfahrung mit der Arbeit von Such- und Bergetrupps haben. Dadurch konnten wir auch unsere Abläufe optimieren und die Ausbildung an die Praxis anpassen“, so Dennis Granzow.

Im September 2020 wurde im Land Brandenburg der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest beim Schwarzwild festgestellt. Mittlerweile wurden 957 Fälle in Brandenburg erfasst. Obwohl der Landkreis Havelland bislang nicht betroffen ist, wurde bereits im Oktober 2020 ein Krisenstab für die Bewältigung der ASP im Landkreis aktiviert, der seitdem gemeinsam mit dem havelländischen Veterinäramt Maßnahmen entwickelt, um im Ausbruchsfall schnell reagieren und handeln zu können. Zu den Maßnahmen gehören etwa die Beschaffung von Zaunmaterial (für die Einzäunung möglicher Kerngebiete und gefährdeter Gebiete) sowie auch die Ausbildung von Personal, das im Fall eines ASP-Fundes direkt einsatzbereit ist.